Infektion, Mikroorganismen, insbes. Corona-Viren

Zu den Mikroorganismen zählen die Bakterien, Pilze und Viren. Sie kommen überall (ubiquitär) vor.
Zum Teil sind sie Überträger von teils lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten, manche produzieren Gifte (Toxine), andere fördern Zellveränderungen, die zu Krebserkrankungen führen.
Mit einer Vielzahl von Mikroben leben wir in enger Gemeinschaft und nutzen ihre Fähigkeiten, manche sind für uns Menschen sogar lebensnotwendig.

Zur Familie der Coronaviren gehören eine ganze Reihe unterschiedlichster Krankheitserreger.
Sie infizieren Säugetiere, Nager und Vögel, aber nur wenige von ihnen haben sich an den Menschen angepasst. Diese jedoch mit großem Erfolg: Etwa ein Drittel der typischen „Erkältungen“ gehen auf das Konto dieser größten der RNA-Viren, die auch den einen oder anderen „Durchfall“ verursachen.

Täglich dringen Krankheitserreger in unseren Körper ein.
Das Virus wird über Tröpfchen-, Aerosol- * und Kontaktinfektionen übertragen.
(* Aerosole sind feinste Partikel, die in fester oder flüssiger Form in Gasen, besonders in der Luft (z. B. Rauch, Nebel) – Stunden bis Tage – schweben.) Aerosole können intakte Viruspartikel enthalten oder auch nur Teile davon.
Husten oder Niesen können solche Partikel bis zu 9 m weit in den Raum schleudern. Auch beim Singen oder bei sportlicher Anstrengung werden sie weiter, als normal (ca. 1,5 – 2 m) in der Atemwolke ausgestoßen.
Die typischen Eintrittspforten sind alle Körperöffnungen, Hautverletzungen, der Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten z.B. durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion.

Ob ein Kontakt zu einer Erkrankung führt, hängt einerseits von der Art, der Menge, Einwirkdauer, Eintritts-pforte und von der pathogenität der Erreger ab und vom Zustand des eigenen Immunsystems – und damit auch von genetischen und sozialen Faktoren, so wie von aktuellen Befindenszuständen unserer Psyche.
Wie es so schön heißt: „It takes two, to tango.“ (Es braucht zwei, um Tango zu tanzen.)
Werden Erreger vom Immunsystem als Fremdkörper erkannt, löst das verschiedene Abwehrmechanismen aus, da das Immunsystem als ein starker Verteidiger unserer Gesundheit fungiert. Dennoch können viele Krankheitserreger, selbst bei einem intakten Immunsystem, akute bis lebenslange Infektionen herbeiführen.

  • Frische Luft – also die Verdünnung infektiöser Partikel – gilt als guter Schutz vor Infektion.
  • Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, so vermutet man, reduziert auf mechanische Art die Tröpfchen (Aerosole), die beim Atmen, Sprechen, Nießen oder Husten entstehen können – wenn die Porengröße des Stoffes eng genug ist.
    Zugleich aber können zum Teil erhebliche Nebenwirkungen entstehen: durch das Atmen gegen Widerstand, den Sauerstoffmangel und die Kohlenstoffdioxyd-Rückatmung sowie das feuchte Mikroklima hinter der Maske, als ideale Vermehrungsbedingungen für Bakterien und Pilze bietet und zu Hautreizungen und der Aktivierung von Herpes-Viren beiträgt. Eine ordnungsgemäße Handhabung und Desinfektion bzw. der Einmalgebrauch sind also notwendig – ist jedoch selten zu sehen.
  • Glasabtrennungen oder Gesichtsschilde fangen ebenfalls grobe Partikel ab, die beim direkten besprühen der Barriere haften bleiben. Sie schützen in keiner Weise vor den sich frei im Raum bewegenden verwirbelten Schwebeteilchen oder Viren.
  • Das gilt ebenso für Husten und Niesen in die Armbeuge. Es reduziert die Anzahl des infektiösen
    Materials mechanisch, das dann noch frei in die Luft gelangt. Schmierinfektionen können folgen.
  • Eine gründliche Handhygiene mit häufigem Händewaschen verringert die Zahl der intakten
    Viruspartikel, die über Kontakt mit Material (Vektoren) zu Schmierinfekti0nen führen könnten.
    Seife zerstört die Fettanteile des Virus, so wie der Spülgang das Fett vom Essgeschirr löst und damit unschädlich macht.
  • Schutz vor einer Schmierinfektion, bei der meist infektiöse Partikel mit den Fingern an die Schleimhäute gebracht werden, durch Händedesinfektion funktioniert gegen Viren nur, wenn die Desinfektionsmittel auch gegen Viren aktiv (viruzid) sind.
    Und dann auch nur bei richtigem Gebrauch und ausreichender Einwirkzeit.
    Als Nebenwirkungen sind allerlei Allergien und Hautreizungen zu sehen, aber auch das Züchten von gegen Antibiotika resistenten Keimen wird durch unsachgemäße Benutzung vorangetrieben.
    Ebenso treffen Sprühdesinfektionen oft nicht alle Bereiche der Oberflächen, so dass auch hier die resistenten Keime gefördert werden. Richtig ist es, die Oberflächen gründlich abzuwischen.
  • Soziale Kontakte sollten auf ein Minimum reduziert werden.
    Wo kein Erreger ist kann auch keine Infektion übertragen werden.
    Wo es kaum zu sozialen Kontakten kommt, ist die Weitergabe von ansteckenden Erregern gering.
    Wenn man auch andere Vorsichtsmaßnahmen beachtet, reduziert sich die Infektionsgefahr weiter.
    Allerdings sind Körperkontakte und das soziale Miteinander elementare menschliche Bedürfnisse, so dass hier immer wieder die Risiken gegeneinander abgewogen werden müssen.
  • In geschlossenen Räumen (insbesondere in kleinen oder schlecht belüfteten Räumen) ist ein Mindestabstand von 1,5 – 2 Meter zu Mitmenschen angeraten, um das Infektionsrisiko zu verringern.
    Das gilt für allgemeine Lebenssituationen, die keine besondere Anstrengung und damit keinen erhöhten Atemausstoß produzieren – wie z.B. beim Singen, sportlichen Anstrengungen etc. – dort ist ein größerer Abstand oder eine gute Durchlüftung sinnvoll.
    Mit Klimaanlagen ist eine gute (aber kostspielige) Filterwirkung zu erzielen, andererseits sind Menschen im direkten Luftstrom der Anlage höheren Risiken, z.B. für eine Erkältung, ausgesetzt. Keine wirksame Entlastung bringen Umwälz-Klimaanlagen, im Gegenteil: sie verschlimmern die Problematik.

Nützlich könnten (längst preiswerte) CO2-Messgeräte – z.B. in der Schule oder im Büro – sein, so wie in der Industrie bereits üblich. Denn der CO2-Gehalt gilt als ein Maß für die Luftqualität in einem Raum mit mehreren Personen.

Auch ist davon auszugehen, dass es in den Gängen eines Lokals oder Supermarktes kaum zu einer Infektion kommen wird. Im Supermarkt sollte ein Berühren der Schleimhäute im Gesicht (Mund, Nase), um Schmierinfektionen zu vermeiden, erst nach dem Händewaschen erfolgen.
Das erfordert jedoch eine erhöhte Achtsamkeit, da die Finger viel häufiger im Gesicht landen, als man denkt!

Ich erinnere an Einwirkdauer (beim SARS-Cov-19 wird von 15 Min. ausgegangen) und Anzahl der Erreger, denen man ausgesetzt ist – z.B. durch direktes Anniesen oder Angehustet werden.
Das SARS-CoV-2 Virus ist etwa 100 Nanometer groß. (1 Nanometer = 1 Millionstel Millimeter = 0,000 001 mm)
Eine Person inhaliert in 10 Minuten etwa 150 Liter Luft.
Wären 50 Viren in einem Liter Luft, würde die Person dann in 10 Min. ca. 7.500 Viren inhalieren.
Nach Studien der Harvard University, Cambridge bei Bosten, USA, reichen 300 – 1.000 Viren, um eine Infektion auszulösen.

Was heißt das für unseren Alltag?

All das ist graue Theorie, denn wir haben im Alltag keine Ahnung, durch welche Luft wir gehen.
Die praktische Erfahrung sag jedoch, dass die meisten Menschen bereits viele Tage durch unbekannte Luft gegangen sind und nicht krank wurden, während manche erkrankten.

Ein paar einfache Wahrscheinlichkeiten: Auf Grundlage der gemeldeten Neuerkrankungen des Robert Koch Instituts liegt die Wahrscheinlichkeit, sich am 8. März 2020 mit dem Coronavirus in Deutschland infiziert zu haben bei etwas über einem Zehntausendstel von 1%. Das heißt etwas anschaulicher, dass eine Person von ca. 750.000 Einwohnern infiziert wurde.
Die durchschnittliche Ansteckungsrate über die letzten 7 Tage lag bei etwa einem Tausendstel von 1%.
Das heißt, pro Tag steckte sich im Schnitt eine von 100.000 Einwohnern an.
Die Wahrscheinlichkeit, eine Woche lang gesund zu bleiben liegt mit dieser durchschnittlichen Ansteckungsrate bei 99,99%.
Die Wahrscheinlichkeit, ein Monat gesund zu bleiben liegt bei 99,97%.
(Quelle: Prof. Dr. Klaus Wälde, Johannes Gutenberg Universität Mainz)
Die Wahrscheinlichkeit eines lebensbedrohlichen Erkrankungsrisikos für die erwachsene Bevölkerung in Deutschland liegt etwa bei 0,6 Prozent (Quelle: DWI Berlin)

Ergo können wir der Statistik zur Folge sagen: Häufiges ist häufig, Seltenes kommt selten vor.
Für den Einzelfall lässt sich daraus letztlich keine Aussage ableiten.
Leben ist und bleibt ein beständiges Risiko – auch wenn wir das in der Versicherungsgesellschaft in Deutschland gerne ausschließen würden.
Es lässt sich jedoch nach wissenschaftlichen Erkenntnissen festhalten, dass die Häufigkeit bestimmter Nachrichten nach dem oben genannten statistischen Gesetz bewirkt, dass manche Dinge für wahrscheinlicher gehalten werden, unabhängig davon, ob es tatsächlich so ist.
Es ist also zwischen der Infektion mit dem Covid-19-Virus und der Infektion mit durch Wörter und Bilder, die in Nachrichten verbreitet werden zu unterscheiden. Das eine bewirkt gehäuft Atemnot das andere Angst, paranoide Vorstellungen, posttraumatische Belastungsstörungen und Einsamkeit.
Ängste und Sorgen gründen oft in mangelndem Wissen.
Traue also keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast – bzw. Hinterfrage in den Nachrichten, ob bei den angebotenen Zahlen auch „Äpfel mit Äpfeln“ oder „Äpfel mit Birnen“ verglichen werden, ob scheinbar ursächliche (kausale) Zusammenhänge vielleicht doch nur ein gemeinsames Vorkommen (korrelative Zusammenhänge) darstellen oder ob wirklich ein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang besteht.
Auch in der Corona-Krise werden wir nicht um den Gebrauch des eigenen Verstandes herumkommen.
Denn es gilt, dass die Risiken für sich und andere immer wieder an den gegebenen und bekannten Informationen und Alternativen neu – und individuell wie kollektiv – bewertet werden müssen.
Diese Zwickmühle werden wir aushalten lernen müssen, da dieser Zustand nicht endlich ist. Das Virus wird uns für den Rest unseres Lebens begleiten. Wir sollten ein (optimistisches) Zusammenleben mit ihm finden.

(Quelle: Helmholz-Zentrum für Infektionsforschung, Gießener Anzeiger – Corona-Falle Innenraum, 8. 9. 2020, eigenes Arztwissen, Zeitschr. MTA-Dialog.de)

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