Das Immunsystem im Alter

Quelle: Wikipedia

„In Italien lag bis Mitte März 2020 das mediane Lebensalter der an SARS-Cov-2 (Covid 19) infizierten und verstorbenen Patienten bei 80 Jahren und das mittlere Alter der Patienten, die eine intensivmedizinische Betreuung benötigten, bei 67 Jahren. Zudem ist die Covid-19-Mobidität (Erkrankungsrate) und -Letalität (Sterblichkeit) abhängig von der Präsenz scherwiegender Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) wie chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße.“

Warum?

Mit der physiologischen (normalen) Alterung des Immunsystems wird von zwei Prozessen bestimmt:

1.) ist die Immunkompetenz vermindert,
d.h. die Fähigkeit, sich mit Erregern und Malignomen (bösartigen Krebszellen) auseinanderzusetzen.

Das zeigt sich in typischen Veränderungen
der zahlenmäßigen Zusammensetzung der Zellen des Immunsystems und
ihrer Leistungsfähigkeit.
Eine große Rolle spielt dabei, dass native (unveränderte) T-Lymphozyten im Alter vermindert sind. Also solche, die bisher noch nicht durch andere Erreger aktiviert wurden.
Sie können körperfremde Eiweiße erkennen und Signalprozesse im Zellinneren auslösen, die zu einer spezifischen (zielgenauen) Immunantwort führen.
Sind diese Zellen vermindert, ist die Affinität (Anziehung) und die Summe Abwerkontakte reduziert.

Im Gegensatz dazu sind Gedächtnis-T-Zellen, also solche, die sich an bestimmte Krankheitserreger (Antigene) „erinnern“, lassen sich im Alter vermehrt nachweisen; auch wenn aktuell kein Antigenkontakt stattgefunden hat.

Eine Folge dieser Veränderungen in höherem Lebensalter ist unter anderem eine gestörte oder verzögerte spezifische Immunantwort gegen bis dato unbekannte Mikroorganismen (Viren, Bakterien, Pilze) oder Tumorantigene, so dass das Immunsystem nicht mehr in der Lage ist eine effiziente (wirksame) Abwehr aufzubauen. Folgen davon sind eine gesteigerte Empfänglichkeit für Infektionserkrankungen, eine reduzierte Immunität nach Impfung sowie eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber malignen (bösartigen) Tumoren.
So entsteht bei Covid-19 eine signifikante (überzufällige) Altersabhängigkeit für den Schweregrad der Infektion und bezüglich des Risikos, an der Erkrankung zu sterben.

2.) gehen diese Prozesse mit einer vermehrten Sekretion von entzündungsfördernden Botenstoffen, aber auch mit einer zunehmenden Organfibrose (sich verhärtendem Bindegewebe) einher.

Folge des Verlustes vom „Feintuning“ einer zielgerichteten und zugleich selbstschützenden Immunantwort sind in höherem Alter unterschwellig schwelende chronische Entzündungsprozesse und eine gesteigerte Anfälligkeit für Autoimmunerkrankungen (bei denen das Immunsystem körpereigene Moleküle als fremd attackiert).
Damit in Verbindung gebracht werden z.B. Alzheimer Demenz, Osteoporose, Arteriosklerose und Diabetes mellitus, aber auch rheumatische Arthritis.

Verstärkt wird die vermehrte Infektneigung im Alter durch Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) wie Diabetes mellitus, COPD (chronisch obstruktive (verengende) Lungenerkrankung) und Nierenisuffizienz (Funktionsschwäche, ungenügende Leistungsfähigkeit der Niere).


Quelle: Prof. Dr. med. Elisabeth Märker-Hermann und Dr. med. Christian von Kiel, beide Klinik für innere Medizin IV, Rheumatologie, klinische Immunologie und Nephrologie, der Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden: Immunsystem und immunsuppressive Therapie im Alter, Hessisches Ärztebaltt 6/2020, 347-350

Weitere allgemeine Informationen zum Immunsystem finden sich z.B. unter dem folgenden LInk in der Apothekenumschau.